Hier schreibt eine Mutter:

In dem Augenblick in dem ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war ich Mutter! Ich war so überwältigt und berührt. Es ist einfach magisch und faszinierend, was der weibliche Körper da leitest. 

Rund um meine zwei Geburten, die ich erleben durfte, ist mir klar geworden, warum es so oft vorkommt, dass Frauen unglücklich von ihren Geburtserlebnissen hinterlassen sind. Und wie es passiert, dass die Geschichten rund um Geburten so negativ sind, dass man sie sich im Vorhinein am Liebsten gar nicht anhören sollte. Leider hilft die Augen verschließen und hoffen, dass die eigene Geburt besser wird jedoch oft nicht. 

Wo geht die Selbstbestimmung hin?

Mir ist klar geworden, dass eine wichtige Komponente für eine glückliche Geburt die Selbstbestimmung des Paares ist.

Jeder Mensch und jede Gruppe hat das Recht, seine eigenen Angelegenheiten frei und ohne die Einmischung von anderen zu regeln, soweit sie sich im Einklang mit den anerkannten Regeln der jeweiligen Gemeinschaft befinden.
— Wikipedia

Was heißt Selbstbestimmung eigentlich? Es bedeutet seine Angelegenheiten selbst zu vertreten und zu regeln. Das klingt ja eigentlich wie etwas, dass wir alle gelernt haben, oder nicht? Ich bin sehr selbstbestimmt durch mein Leben gegangen. Und dann kam ich bei der Geburt meines ersten Sohnes in die Klinik, da dieser sich nicht an die in Deutschland vorgegeben Fristen halten wollte. Eigentlich wollte ich meinen Sohn zu Hause zur Welt bringen.

Ich kam also am 14. Tag nach dem Stichtag in die Klinik und ich war darauf überhaupt nicht vorbereitet. Ich wußte nicht was ich wollte oder nicht wollte und durch meine Unkenntnis und den Druck, dass es nun aber mal „losgehen müsse“ habe ich brav alles gemacht, was das Krankenhaus zu bieten hatte. Wir haben eingeleitet, es gab Schmerzmittel, es gab eine PDA, es gab ein Wehentropf. Ich hab alles mitgenommen. Und irgendwie fühlte es sich fast so an, als ob ich das gebären gar nicht kann und das Klinikpersonal doch eigentlich die Geburt für mich machen könnte… Ich habe mich quasi auf den Beifahrersitz meiner eigenen Geburt gesetzt.

Und ich glaube, dass es anderen Frauen auch so geht. Sie sind völlig irritiert davon, dass sie sich nun nicht mehr selbstbestimmt fühlen und so entsteht ein ohnmächtiges Gefühl. Sie wissen nicht, was sie besser annehmen und was sie ablehnen sollten; welche Optionen sie haben und wie sie sich Zeit verschaffen können, um ihrer Geburt den Raum zu geben, den sie benötigt. 

Ich habe die Geburt meines ersten Sohnes mit einem Kaiserschnitt beendet und einem Trauma. Ich fand es so doof, dass ich mich nicht aktiv für ein zweites Kind entscheiden konnte, so viel Angst hatte ich davor, dass es nochmal so laufen könnte.

Ich wurde dennoch schwanger und da stand ich nun. Ich hab mir gesagt, dass passiert mir nicht noch einmal und habe angefangen mich richtig vorzubereiten. Ich war bei einer Traumatherapeutin, ich habe einen HypnoBirthing Kurs und einen weiteren Onlinekurs gemacht und habe viel  Entspannungstechnicken und Hypnosen geübt und ich habe mir Filme und Videos rund um Geburten angesehen. Hier habe ich mehr zu meiner Vorbereitung geschrieben.

Diesmal wollte ich meinen Sohn im Geburtshaus zur Welt bringen und diesmal hatte ich dann auch dieses Privileg. ich habe bei meinem zweiten Sohn die selbstbestimmt Geburt erlebt, die ich mir schon bei meinem ersten so gewünscht hatte. Was mir dabei sehr klar geworden ist, ist dass ich nur dann selbstbestimmt sein kann, wenn ich mich auskenne, wenn ich Wissen habe. Denn wie soll ich meine Angelegenheiten selbst regeln, wenn ich gar nicht weiß, wie meine Optionen sind?

Natürlich ist es dafür sehr vorteilhaft an einem Ort sein Kind zu bekommen, an dem man weiß, dass man die gleichen Werte vertritt. Im Geburtshaus brauchte ich keine Schmerzmittel oder ähnliches ablehnen, weil es ja gar keine gab. Und ich war so glücklich damit! Ich konnte mich voll und ganz auf die Geburt konzentrieren. Mein Mann und ich waren gut aufgesetzt und er wusste was ich wollte.

Ich hatte keine Bilderbuch Geburt und dennoch meine persönliche Traumgeburt und das, obwohl nicht alles reibungslos lief. Mein Sohn hatte sich die Nabelschnur komplett um den Körper gewickelt und hatte so Mühe geboren zu werden. Meine Hebamme hat super reagiert und mich in der Badewanne aufstehen lassen, wodurch er hinausgeleiten konnte. Leider verlor ich danach jedoch recht viel Blut - die Vermutung ist, dass sich die Plazenta durch das ziehen an der Nabelschnur vorzeitig etwas abgelöst hat. Und so standen plötzlich locker zehn Menschen aus zwei verschiedenen Krankenwägen (einer für mich, einer für meinen Sohn) in meinem Zimmer.

Doch durch meine Vorbereitung vorab, konnten mich weder das aufstehen während der Geburt, noch die Leute vom Krankenwagen beeinflussen. Ich habe meinen Hebammen, meinem Sohn und mir einfach voll vertraut und uns in einem ruhigen glücklichen Kontext gehalten. Und siehe da, keiner musste in den Krankenwagen steigen.

Und wenn ich keine Wahl habe? 

Selbstbestimmung heisst übrigens nicht, dass ich nur eine schöne Geburt habe, wenn ich bei allem die Wahl habe. Manchmal habe ich keine Wahl, ob die Nabelschnur auspulsiert oder ob ich einen Wehentropf benötige um die Plazenta zu gebären. Und dennoch kann ich alles wählen.

Ich kann es wählen ohne eine Wahl zu haben. Verstehst du wie ich das meine? Wenn alles okay so ist, wie es ist und ich es wähle, dann fühle ich mich nicht überrumpelt, dann fühle ich mich kraftvoll und muss einfach nur mit dem umgehen, was grade zu tun ist. Es geht also nicht darum unbedingt die eigenen Vorstellungen durchzusetzen, sondern eher darum wissend und gewählt mit dem Fluss zu gehen und sich darauf einzulassen.
Wenn eine Frau sich demnach selbst für einen Kaiserschnitt entscheidet, egal ob nötig oder nicht. Wird sie wohl eine schöne Geburt erleben, weil sie die Geburt selbst so gewählt hat.

Doof ist immer nur, wenn das Gefühl entsteht, etwas zu müssen, aber nicht zu wollen. Oder in die Entscheidung nicht richtig mit einbezogen zu sein, da man nicht informiert wird oder da man es einfach nicht besser weiß.
Zudem wird oft etwas angewendet, das aktive Wehenführung heißt. In diesem Szenario bleibt für Frau und Baby nicht viel Raum für ihre eigenen Rhythmus.

Für mich persönlich war das Geburtshaus die perfekte Wahl um dieses Wunderschöne erleben zu dürfen und ich bin sehr dankbar dafür Frieden gefunden zu haben mit der Geburt meines ersten Sohnes.

Das ganze Thema hat mich so sehr berührt, dass ich mich zu einer HypnoBirthing Kursleiterin ausbilden lassen habe und andere Frauen darin unterstützen möchte ihre eigene selbstbestimmte Geburt erleben zu dürfen.

Ich wünsche dir ein selbstbestimmtes Leben!

Neugeborenenfotografie: Alina Atzler

 Inken Arntzen, Foto Romy Geßner

Inken Arntzen, Foto Romy Geßner

"Alle kennen Inken als Gründerin, Kursleiterin, Organisatorin und »Die mit dem Lachen«. Doch sie ist viel mehr. Eine Schulter zum Anlehnen, ein Ohr, das nicht bewertet und ein Herz in dem genug Platz für alle Menschen ist." 

- Thies Arntzen